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Faz Fato liegt in den Bergen ungefähr 15 km oberhalb von Tavira, Algarve. Hier sind viele Deutsche Exilanten hingezogen, weil sie es in Deutschland nicht mehr aushielten oder weil sie in die verdiente Frührente gingen. 

Damit die kleinen, auf Hügeln verstreuten alten Einsiedlerhöfe, Anwesen und neuen Häuser derdeutschen und englischen Aussteiger mit Post versorgt werden können, ist in Faz Fato eine kleine Poststelle. 

Aussen ist der Hinweis auf ein Telefon angeschrieben. 

Betritt man das kleine weiss getünchte Haus, begrüsst einen die alte Maria mit gehäkeltem Hut und dicken Wollstrümpfen, die hier einen kleinen Wein- und Likörausschank betreibt. Der Boden besteht aus rohen Steinplatten aus der Umgebung. Eine einfache Holztheke mit dahinter stehenden Regal ist die gesamte Einrichtung.

Aus dem Faß wird ein saurer Roter in einfache Wassergläser ausgeschenkt und die Leute treffen sich hier, wenn Sie vorbeifahren, vom Feld kommen oder einfach weil es die richtige Zeit ist um zu reden und um das Neueste über und von den Nachbarn zu erfahren. 

Hier kann auch Post zum Weitersenden abgegeben werden und die wöchentliche Postlieferung landet in einem kleinen geflochtenen Körbchen. Jeder der kommt greift hinein, blättert alle Briefe und Postkarten durch, ob etwas dabei ist für die Familie. 

Postkarten auch an die Nachbarn werden in der Runde laut vorgelesen und diskutiert. Blaue Briefe geben Anlaß zu den unterschiedlichsten Spekulationen, warum die Behörde diesen oder jenen anschreibt. Manchmal geben die Leute dann den Bekannten einen Tip, daß in der Poststelle ein Brief für sie liegt. Aber es kommt auch vor, dass hier monatelang Briefe auf den Abholer warten. 

Meine Frage, warum der Brief der Familie xxx gestern, als diese da war, von Maria nicht mitgegeben wurde, klärt sich schnell auf. 

Maria und die gesamte Postler-Familie können nicht lesen und nicht schreiben…nur wenn ein Lesekundiger anwesend ist, wird der Brief weitergegeben. Na ja, ist auch oft nicht wichtig und bei Behördenbriefen oder Rechnungen sowieso nicht.

Abends wird das Akkordeon herausgeholt und die Gäste singen mit den Wirten krächzend alte Fado-Lieder.-

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