Heute abend gehen wir zu Fernanda, murmeln die Bewohner der Hügel unter dem Wind.

Die Einheimischen nennen sie „die von den Hügeln mit boa vista“, und eigentlich meinten sie damit Exilanten aus Deutschland und England, die vor lauter „boa vista“ nicht ahnten, was die Brunnen dort oben kosten werden, da diese mindestens doppelt so tief sein mussten.

Zu Fernanda in Faz Fato geht man so gegen 18.00 Uhr, vorher ist die Kneipe kaum auszumachen, da Stühle und Tische erst abends herausgestellt werden. So sitzt man auf Gehsteigen aus Bruchsteinplatten umgeben von kleinen weissen Häusern, schaut über die Berge hinunter bis zum 14 km entferntem Meer und geniesst als erstes ein erfrischendes Sagres-Bier zum Sonnenuntergang. 

Drinnen, eine kleine Bar: Fernanda und Ihre Töchter sehen die laut aufgedrehte, portugiesische Vorabendsoap im TV, kreischen und weinen dabei vor Erregung. Ein ganz schlechter Zeitpunkt um eine Bestellung aufzugeben. 

Irgendwann gelingt es zu erfragen: was es denn heute gibt? Die Antwort heißt hier in den Bergen (weit weg vom Meer): Fleisch. Die Entscheidung zwischen Lammkotelett und flach geklopften Hühnern piri piri (Oliven, Brot, Salat und Pommes gibt es sowieso dazu) fällt mir heute leicht.

Ich möchte das flache Huhn piri piri, das am Bauch aufgeschnitten, auseinandergezogen, flach auf den Grill gedrückt und vorher extra scharf mit piri piri Chilipulver gewürzt wird. 

Das Feuer, der Grill ist natürlich echte Männersache und da noch nicht genügend Gäste da sind und noch zu wenig Bestellungen eingegangen sind, wird abgewartet. 

Wir lassen die erste Literflasche des herben lokalen Weissweins durch die Kehle rinnen und vergnügen uns mit Geschichten über die Nachbarn und die Orangenplantagen. Nebenbei naschen wir an den Oliven, essen Weissbrot und später einen einfachen Salat.

Zur Dämmerung steigt der erste Rauch auf, das Feuer züngelt, wir wissen in einer Stunde gibt es was zu essen. Es kommen immer mehr Nachbarn, Freunde und auch alte Feinde. Die Feindschaften werden kurz aufgewärmt, wir sind ja auch schon bei der dritten Flasche Weisswein. 

Es ist laut geworden in der Gasse, alles schreit durcheinander, da kommt das erste Fleisch. Wie ausgehungerte Hyänen stürzen wir uns über die Teller und bestellen die vierte Flasche Weisswein. 

In der turbulenten Stimmung kommen die Erinnerungen an Deutschland hoch und werden mit verklärtem Blick den verständnisvollen Nachbarn, immer wieder aufs Neue, erzählt. Die Exilanten aus dem Kölner Raum stimmen endlich ein paar Karnevalslieder an: 

…“wir sitzen hier vertrocknend

und warten stundenlang.

Von Ferne tönt verlockend

der Gläser Wunderklang.

Bei einer Flasche Wein, da kann soviel passieren,

bei einer Flasche Wein, kann man sein Herz verlieren“….

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