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Es gab Zeiten in Berlin, da konnten wir noch „Verkehr“. Kein Brandschutz quälte die offene Konstruktion, der Rauch konnte frei abziehen. Menschen hasteten in den Untergrund zur Metro und kauften noch schnell am Kiosk eine Tageszeitung. Sogar kostenfreie Toiletten konnte Berlin, an vielen öffentlichen Plätzen gab es ein „Cafe-Achteck“ oder ein Häuschen im alpenländischen Stil z.B. am Amtsgerichtsplatz in Charlottenburg. Die Verkehrspolizei wachte über all dieses Tun. Die VW-Käfer, die Opel-Kadett und die Daimler wurden immer mehr. An Hauptkreuzungen der grossen Städte musste der Verkehr immerzu von Verkehrspolizisten geregelt werden – Die Verkehrskanzel wurde geboren.

Gespenstisch blau leuchtet die Sonnenblende der Verkehrskanzel. Über eine Aussenleiter konnte der Verkehrspolizist von hinten in die Glaskanzel klettern. Im Schalt-Pult sind von oben die Knöpfe zum Regeln der Ampeln und nach beiden Seiten eine öffentliche Uhr eingelassen. Im Sommer ein Hitzehaus, im Winter ein Kühlhaus. Die Kanzel gehört zu einem architektonischen Bauwerk (Überdachung des U-Bahn Einganges, Kiosk und öffentliches WC) im Westen der Stadt an der Ecke Kurfürstendamm/Joachimstaler Strasse gegenüber vom Cafe Kranzler (Architekten Bruno Grimmek mit Werner Klenke und Werner Düttmann).  In Betrieb war dieses schöne Bauwerk von 1955 bis 1962, dann wurden die Ampeln komplett automatisch geschaltet. Die Bäume nehmen inzwischen die Sicht über die Strassenkreuzung. Der „Verkehr“ hat sich gewandelt.-

© Kormoranflug 2012

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