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Die meist jungen Gäste um die dreissig, können sich bestimmt nicht an den „Langen (Rückzug) Marsch“ der roten Armee in China 1945 erinnern. Aussrisse aus Bildern der parteiwerbenden Marschierenden wurden an eine Stirnwand dekorativ gemalt und sollen zusammen mit den quadratisch durchbrochenen Holzrahmenwänden und durchscheinenden Binsenmatten eine Erinnerung an dunkle Opium-Höhlen und einfache mystische Räume in China erzeugen. Der Tisch ist mit einem Online-Bestellsystem schnell reserviert. Nach Abgabe der Garderobe in einem der Binsenmäander-Räume wird jedoch klar, daß man hier auch bei einer Bestellung für zwei, den Abend mit sechs Personen an einem breiten chinesischen Kantinen-Tisch mit angestellten Bänken ohne Lehne verbringen wird. „Die historischen Opium-Räume hatten wenigstens Liegebänke aus Bast“, das ist in einer chinesischen Kantine (Canteen) natürlich anders.

In der Mitte des Raumes ist eine DimSum-Dampfstation aufgebaut, die mit dekorativer Rückwand, einem verglasten Trocken-/Kühlschrank mit gestapelten Bastdampfkörben, dem Dampf (hier stehen die Dampfkörbe auf einem Dampfgitter) und roter Beleuchtung die Stimmung eines Nachtmarktes aufkommen lassen.

Ein freundlicher junger Mann mit modernem Handybestellsystem ordert zuerst die Getränke und kommt anschliessend mit einem Dim Sum Wagen, auf dem sich aber nur die kalten Vorspeisen befinden und zeigt eine Auswahl.

Schnell haben wir uns für einen Rote Beete Salat mit Thunfisch und Bohnen und einen Oktopussalat mit Kohlrabi entschieden. Die Gerichte, eher modernstyle überraschen in der Gewürzqualität, zeigen aber auch Schwächen. Beim Oktopussalat waren die mit Gewürzen und Zitrone eingelegten Kohlrabischeiben hervorragend, die Oktopus-Scheiben jedoch schon länger gestanden und angetrocknet, geschmacklos. Beim Rote Beete Salat, der optisch „schon gegessen“ aussah, war das angebratene Thunfischmus mit Ingwer und die grossen grünen Soja-Bohnen ganz lecker, die Roten Beete fast roh und geschmacklos.  Die Karte bietet für die nächsten Gänge warme, gedämpfte und gegrillte Dim Sum sowie „Dumplings“ gedämpft oder in Brühe. Die vier Baby Calamari wurden je einer längs auf ein Holzstäbchen aufgespiesst und gegrillt mit etwas Soyasauce und Frühlingszwiebel-Ringen serviert – ganz lecker. Den gegrillten Riesengarnelen erging ein ähnliches Schicksal, etwas trocken. Hinter den durchscheinenden Binsenmatten sieht man eine Vielzahl chinesischer Küchenarbeiter die meisten der Gerichte erstellen und werkeln.

Die Rinder-Dumplings (grosse dunkle Rindermaultaschen) in der Brühe muteten optisch an chinesische dunkle Wasserschnecken, waren aber sehr interessant gewürzt und lecker. Die Brühe mit den Korianderkräutern war mit sehr viel Soja-Sauce gekocht.

Auf der Karte findet man hier eine grössere Auswahl von wirklichen Dim Sums (gedämpfte chinesische Teigtaschen) -hier aber Dumplings genannt- z.B. auch Shou Mai, Shanghai, Beef, Prawns, Veggie, Duck, Lamp, Chicken.

Alles wird mit Stäbchen gegessen. Höheres Preisgefüge zwei Personen, drei Gerichte, Biere, 52 €.

Inzwischen ist  das Lokal an einem normalen Wochentag sehr gut gefüllt und für eine Unterhaltung zu laut geworden. Deshalb wechseln wir auf ein Bier in ein anderes Lokal in der Pücklerstrasse.

LONG MARCH CANTEEN, Wrangelstr. 20, 10997 Berlin-Kreuzberg                        18.00 bis 24.00 Uhr,  www.longmarchcanteen.de

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© Kormoranflug 2013 LMC

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