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Heute hatte ich keine Lust zu kochen und wir machten uns auf den Weg ins Uno, es heisst eigentlich „ Osteria Uno“ und liegt am Fusse des Kreuzberges. Seit 1977 ging man hier her, um eine Pizza zu essen und mit mehreren Freunden und Gläsern Wein die politische Lage zu diskutieren. Inzwischen wandelten sich die Gäste zu gestandenen Feinschmeckern und der Wirt reagierte mit italienischen traditionellen Gerichten in mittlerer Preislage. Am Sonntag ist ja eigentlich Kindertag, denn Pasta und Pizza für die Kleinen ist umsonst wenn die Eltern hier mit ihnen speisen. Ein Tisch war mit radfahrenden Eltern (Helme) und 2 Kindern mit Pizza und Pasta beschäftigt. Dann kam noch eine lustige deutsch/französische ältere Gesellschaft, die sich lautstark in drei Sprachen mit den Filmen der Berlinale beschäftigten. Gerade als wir die leckere Vorspeise, den Oktopus-Salat gegessen hatten, betrat eine junge Dame mit hoch gestecktem Haar und Sonnenbrille das Lokal. Sie bekam eine Tischauswahl vom Sohn des Chefs angeboten, sie entschied sich für den grössten Tisch neben uns. Der interessante Cape-Mantel, Tüten und Taschen wurden auf die Stühle verteilt. Der Chef, Fabio Angilè musste persönlich kommen und es wurden die Möglichkeiten der Gerichte in italienischer Sprache ausgelotet. Das von der Dame gesprochene Italienisch klang etwas hart und kehlig und manchmal musste für sie der eine oder andere Begriff gefunden werden. Im Raum hörten wir nur noch „senza sale“ (ohne Salz, ohne Salz). Ein ordentliches Glas Rotwein wurde vom Kellner eingegossen. Sie holte eine DINA 4 grosse, am Rücken gebundene Blattsammlung hervor und murmelnd trug sie Texte vor. Nach 10 Minuten bat sie den Kellner mit leisem scusi, scusi, scusi nochmals in die Küche zu gehen und darauf zu achten: senza sale. Wir widmeten uns unserem Hauptgericht Kalbsschnitzel mit Artischocken und gebratene Leber mit Gemüse. Alles schmeckte vorzüglich. Da kam auch schon die Vorspeise der Dame: zwei blanchierte Artischocken mit etwas Öl ohne Salz. Sie benötigte dazu noch dringend etwas Öl, Peperoni-Öl, Salz und Pfeffer und die Kellner lächelten sich zu als Sie die Artischocken salzte. Die selbst gemachten Pici mit Tomatensosse wurden gebracht, mir war nun klar, das wird ein veganes Menü. Mit zusätzlich georderten Salz, Pfeffer, frischen Peperocini und Parmesankäse würzte sich die Dame am Tisch die Pici nach Ihrem Geschmack vegetarisch zurecht und verschlang die nicht kleine Portion Pasta ohne die geringsten Allüren. Sie lächelte, sie war zufrieden und las wieder in Ihrem Drehbuch. Bestimmt eine junge Schauspielerin, die hier ihre Rolle lernte.- Erst Abends bei den TV-Berichten über die Berlinale wurde mir klar, mit wem wir hier speisten: mit Natalie Portman. Das ist Berlin, Stars können ohne erkannt zu werden in Ruhe speisen – ohne Kult und ohne Aufregung. Wunderbar!

© Kormoranflug 2015 zur Berlinale

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