Als ich ein Kind war, wunderte ich mich über die zahlreichen Italiener am Sonntag, die an den Cafés direkt an den Abfahrtsgleisen des Münchner Hauptbahnhofes herumstanden.
Akkordeon lernte ich in den Baracken, hier wohnten die aus Rumänien zurückgekommenen.
In meinem Praktikum traf ich auf die immer gestressten Jugoslawen, so hießen die damals.
Nach den Jugoslawen kamen Engländer, die mauerten Ziegel-Wände in Anzugjacken. Es folgten Iren, die waren meistens lustig drauf. Aus Persien kamen einige Studienkollegen. In Beirut saß ich stundenlang im zerschossenen Flughafen fest. Die Gastarbeiter aus Spanien waren sehr dünne Männer. Die Portugiesen verstanden das ständige Arbeiten nicht. Die Türken waren fleißig, es gab manchmal Konflikte mit den Waschungen auf den Dixi-Klos. Rumänen und Polen kamen meistens nur als Saisonarbeiter. Die sogenannten boatpeople aus Vietnam eröffneten kleine Imbissläden. Die Industrie lässt immer mehr Produkte in China fertigen.
Die Arbeitskräfte aus den neuen Bundesländern waren meistens gut ausgebildet. Die Frauen arbeiteten als Ingenieure auch in Führungsebenen. Große Ablehnung wurde von Arbeitern der neuen Bundesländer gegenüber den immer zahlreicher kommenden Polen formuliert. Inzwischen wurden aus Italienern, Jugoslawen und Türken Unternehmer und Geschäftsinhaber. Es gibt Restaurants aus Thailand und Japan. Wir essen Sushi aus Japan oder Ceviche aus Peru, TexMex aus Mexiko, Cuba libre trinken wir in der kubanischen Bar. Hausangestellte kommen aus Weißrussland und Polen. Businessman aus Russland und der Ukraine eroberten den Immobilienmarkt. Bayern und Schwaben investieren in Berlin, zur Zeit der Mauer wollten sie Berlin an den Osten abgeben. Im Urlaub treffen wir Menschen aus Indonesien, Sri Lanka, Indien, Aegypten, Afrika, Karibik, USA. Bestimmt habe ich noch einige Länder vergessen.
Wir hatten in Deutschland/Berlin eine Aufteilung an vier uns bestimmende Nationen: Frankreich, USA, England und Russland. Wer weiß, ob diese alliierten Gesetze nicht noch gelten – nicht ganz gelöscht wurden.
Überall traf ich gute und nicht so gute Menschen – aber wir leben gemeinsam auf dieser Erde.
Die Deutschen haben übrigens nur einen kleinen Anteil an der Weltbevölkerung.
C Kormoranflug 2016

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