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Es gibt Worte, die erschliessen sich für einen in Berlin lebenden Kormoran nicht sofort. In der Wohngemeinschaft hatten wir in den achtziger Jahren eine blau-grüne Lacktischdecke über einen alten Holztisch aus Grossmutterzeiten mit Auszügen, Gesamtlänge drei Meter.
Ein amerikanischer Student, der in einem Berliner-Büro ein Praktikum absolvierte und sich besonders dadurch hervortat, am Abend stundenlang vor der fertigen Waschmaschine zu sitzen und auf mein Nachfragen weinerlich sagte: die Türe öffnet sich einfach nicht. Tja die Waschmaschine musste vorher auf Null gestellt werden.
Dieser junge Mann meinte jedenfalls bei einem gemeinsamen Abendessen der Wohngemeinschaft diese blau-grüne Lackdecke wäre „kinky“. Auf unsere Nachfrage wie er das meinte, wurde er rot und meinte evtl. sonderbar, verworren, merkwürdig, sexuell eigenartig, verrückt, spleenig, pervers.

Bei dem Wort „funky“ ging es mir genau so. Funky in der Übersetzung: merkwürdig, abgefahren ausgefallen, irre, flippig, muffig oder Ententanz. Was sollte hier nur beschrieben werden?

Das neue Fischlokal heisst „Funky Fisch“ ja deutsch Fisch nicht fish. Da uns die Gaststättenbetreiber als innovative und kreative Restaurant-Erfinder in der Kantstrasse bekannt waren, freuten wir uns, einen Platz im neuen funky fisch gefunden zu haben. Der Mode, alle Gäste knapp nebeneinander auf Bänken oder erhöhten bar-ähnlichen Tischen zu platzieren um so eine neue Gemütlichkeit heraufzubeschwören, konnten wir entgehen, da wir im Nebenraum noch genug Platz sahen und auf einen Platz hier bestanden. So konnten wir uns geschäftlich über die Fische unterhalten und hatten einen Blick auf das sehr schöne Gemälde an der Stirnwand (siehe Visitenkarte).
Die Fischtheke war hervorragend mit diversen Grossfischen auf Eis bestückt. Man konnte hier einfach den Lieblingsfisch wählen und entsprechend zubereiten lassen (Kilopreis zwischen 80 und 160 € inkl. Zutaten). Die gläserne Fischvorbereitung glänzte nur so vor Sauberkeit und man konnte einem geübten Fischaufschneider beim Arbeiten zusehen.
Wir wollten jedoch die besondere Küche von funky kennenlernen:
„Poke“ 8/16 € eine Schale mit eingelegten verschiedenen Fischen (hawaiianisch) ähnlich wie Ceviche doch mehr Soja-Sesam-Senflastig und nicht ganz so harmonisch abgestimmt wie beim besten Peruaner der Stadt.
„Tuna & Risotto“ 19 € ein kurzgegrillter Tunfisch auf einem wirklich grünem Kräuterrisotto und einem leckeren Wildkräuter-Salat toping. Wirklich sehr gut.
Natürlich musste ich die „Bouillabaisse Funky Fisch“ 16€ probieren. Optisch kein Hingucker aber geschmacklich eine leicht übersalzene jedoch ordentlich mit Pernod und noilly prat gewürzte Fisch-Karkassen-Brühe mit wirklich leckeren frischen eingelegten Filets verschiedener Fische. Dazu wurde als Croutons toastähnliches in Olivenöl geröstetes Brot gereicht. Die ebenfalls dazu gereichte rosa Sosse aus creme fraiche und diversen feinen Zwiebeln war jedoch eine Katastrophe. Die Kunst der Rouille sollte noch studiert werden. Mit einer echten Bouillabaisse hat dieses Gericht natürlich nichts zu tun, es war eben funky.
Die Getränke sind etwas hochpreisig. Die Bedienung sehr freundlich und schnell. Eine nette Atmosphäre, die bei ganz gefülltem Lokal wahrscheinlich ordentlich laut wird.

Fazit ein gutes neues Fischlokal – viele gibt es davon nicht in Berlin.
© Kormoranflug 2017

Funky Fisch
Kantstr. 135-136
10625 Berlin
http://www.funky-fisch.de

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