Pferde in der Kapelle

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Der einzige Ort im Hotel an dem das Wifi kostenlos funktioniert, ist die Eingangshalle gegenüber der Rezeption. Hier wurde ein Bereich mit Spiegeldecke und tiefem Teppich konzipiert. Entlang der fensterlosen Wand mit davor montierten LED beleuchteten, abstrakten, baumartigen Scherenschnitten, waren tiefe weiße Ledercouchen aufgereiht, gegenüber jeweils zwei schwarze Ledersessel im modernen Corbusier-Stil. Hinter einer Säulenreihe führte der Verbindungsgang aus rotem Granit vorbei. Betritt man den Bereich, sitzen aufgereiht die Menschen mit geneigten Köpfen. Alle waren in ihre Smartphones, Tablets oder Laptops vertieft. Niemand spricht ein Wort. Stille –
Da öffnet sich die Aufzugstüre am Ende der Halle. Zwei junge Männer betreten den Verbindungsgang zwischen Aufzug, Ausgang und Weg zum Garten. Ein lautes Klappklapp, Klappklapp, Klappklapp, Klappklapp ertönt bei jedem Schritt. Nein das sind nicht die Geräusche von high heels, sondern spezielle Rennrad-Schuhe mit Klötzen für das Einhaken in die Rennrad-Pedale.
Alle konzentrieren sich wieder auf das Tablet. Der Aufzug öffnet sich, Klappklappklapp, klappklappklapp, Klappklapp, klappklappklapp, die Geräusche werden lauter, rhythmischer, mischen sich mit Kommenden und Gehenden. Junge Männer in bunten eng anliegenden Trikots laufen in der Halle durcheinander. Die einen müssen noch einmal zum Zimmer, andere zum Garten, sie holen das wertvollste was sie dabei haben, ihre Spezialrennräder mit dünnen Reifen, breiten Felgen, Carbonrahmen und je zwei eingehängten Wasserflaschen. Die Leerlauf-Naben der Räder surren zum Klappklapp Klappklapp. So laufen an die achtzig Rennrad-Profis durch die Gegend und die Geräusche erhöhen sich fast schon zu einem Crescendo. Da plötzlich ein anderer Rhythmus: tac tac tac tac tac – alle Blicken richten sich auf eine Rennrad-Fahrerin, die läuft „auf Spitze“ mit den Spezialschuhen ganz elegant durch die Halle.

© Kormoranflug 2017

Geschälter Weizen

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Meine Kindheitserinnerung an ungeschälten oder geschälten Weizen und Buchweizen kann ich schlicht mit „grauenhaft“ bezeichnen. Da meine Mutter, heute würde sie 97 Jahre alt werden, eine Anhängerin von Are Waerland (schwedischer Ernährungsreformer 1876-1955) war, wir nach diesen Regeln der Lebensreform lebten und uns entsprechend ernährten, gab es neben der Rohkost oft einen Getreidebrei mit dem Namen „Kruska“. Als Kind vermutete ich dahinter einen russischen Brei – eine kommunistische Verschwörung -, den es dort aber auch in unserem Land bereits seit der Altsteinzeit, später mit dem Namen Grütze gab.
Für Kruska wurden verschiedene Getreide, hauptsächlich jedoch Weizen, Buchweizen, Roggen, Hafer, Gerste manchmal auch mit Hirse, Leinsamen und Weizenkleie gemischt, mit Wasser 10 Minuten gekocht, dann wurde der Topf dicht in Zeitungspapier und Decken eingeschlagen und mindestens 2 bis 5 Stunden zum ausquellen warm gehalten. Die Kruska wurde weiter nicht gewürzt und entweder pur oder mit etwas Milch, Joghurt (bei uns vergorene Milch) oder ein paar wenigen Trockenfrüchten gegessen. Jeder Bissen musste nach Vorschrift 100mal gekaut werden. Aus Kruska kann man auch noch geschmacklose Kekse backen.
Trotzdem habe ich mich vor Kurzem nach anderen verwendeten alten Getreiden mal wieder dem Weizen gewidmet und als Risotto ausgearbeitet.

Geschälter Weizen mit Shiitakepilzen

180 g geschälter Weizen
Wasser, 1 Prise Salz
2h einweichen, absieben

1 Schalotte klein geschnitten
2 EL Sonnenblumenöl
100 g Shiitakepilze, geputzt
350ml Gemüsebrühe
1 Schuss Weisswein trocken
1 Prise Safran
1/2 TL Ras el Hanout
Salz, Pfeffer
1/4 Zitrone ausgepresst
2 EL kalte Butter

Nachdem der Weizen quellen durfte, zuerst im Topf die Schalotte andünsten und die Shiitakepilze halbiert zugeben, den geschälten Weizen zugeben und mit etwas Zitronensaft, einem Schuss Weisswein und Gemüsebrühe ablöschen. Rühren und wie Risotto zubereiten, immer etwas heissen Gemüsefond nachgiessen, nach 15 Minuten den Safran und Ras el Hanout zugeben und nachwürzen. Zwischendurch eine Bissprobe machen. Zum Schluss noch die kalte Butter unterrühren und servieren.

Bei mir gab es dazu scharf gewürzte Hühnerbeine und einen Gemüse-Relish aus Brokkoli und Tomaten.

© Kormoranflug 2017

Medusa

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Als Nachtrag zum internationalen Frauentag möchte ich Euch mein „Drachenkraut“ zu diesem Tag nicht vorenthalten. Für die Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto mit ihrer tragischen griechischen Geschichte habe ich hier aus Felsenbirne und einer runden Vase eine Erinnerung geformt. Titanen sollen zu Stein erstarren wenn sie das Haupt der Medusa sehen.

© Kormoranflug 2017

Stoffe bei Stiller

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Dieses besondere Haus hat mich immer angezogen, wenn ich die Oranienstrasse entlang ging. Von den Kapitellen der Lisenen grüssen vier Widder-Köpfe und in den Friesen werden hoch oben Figuren und ein Bär gezeigt. Das Erdgeschoss war mit Glasbausteinen zugemauert. Der Eintritt nur seitlich mit einer Stahltüre und einer Klingel mit undefinierbaren Namen geschützt.
Erbaut wurde es 1910-1912 für und vom Architekten Oskar Kaufmann, ab 1924 vom Schuhhändler Reinhold Stiller genutzt.
In letzter Zeit wurde das Haus umgebaut und saniert (Architekten Kuehn Malvezzi). Neue Mieter sind eingezogen im Erdgeschoss das Berliner DAAD-Künstlerprogramms und im 2.OG Élitis für Stoffe und besondere Tapeten für den Objektbereich. Zum Tag der offenen Türe führte der kompetente Vertriebsleiter Arnaud Michon mit französischem Akzent durch die neuen Räume und die neue Kollektion. Eine gute Gelegenheit dieses Gebäude auch von Innen zu betrachten.
© Kormoranflug 2017

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Èlitis GmbH
Oranienstrasse 161,
10969 Berlin
http://www.elitis.fr

daadgalerien, Galerie & Studio
Oranienstrasse 161
10969 Berlin
http://www.daadgalerie.de

Köpfe und tanzende Figuren

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Im Atelier- und Wohnhaus-Ensemble von Georg Kolbe (1877-1947) gibt es viel zu entdecken. Zur Zeit sind hier von 200 geschaffenen Köpfen rund 40 Porträtskulpturen zu sehen. Es werden Köpfe aus Politik, Kunst, Architektur, Tanz und Gesellschaft gezeigt, die im Atelierraum auf blauen Säulen stehen. Jeder Kopf hat zur Physiognomie der prominenten Persönlichkeiten noch eine besondere Ausformung durch das Material. Es gibt Figuren aus Gips, Ton, Stein und Bronze. Die Skulptur „Morgen“ von 1925, die für den Barcelona Pavillon entworfen wurde und viele Beispiele der Liebe Kolbe zum expressionistischen Tanz sind in den weiteren Räumen des Museums und des Gartens zu sehen. Im Cafe K kann man neben Skulpturen von Kolbe sitzen und mit Blick auf den Garten entspannen. Samstags gibt es hier ein Piano-Frühstück unter Kiefern.

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Architekten Ernst Rentsch, Paul Linder 1928/29

Georg Kolbe Museum
Sensburger Allee 25
14055 Berlin
http://www.georg-kolbe-museum.de
S-Bahnhof Heerstrasse
Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet

kingfish wie in Trinidad and Tobago

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Unter kingfish / Königsfisch versteht jeder Kontinent etwas anderes. In Barbados und Trinidad-Tobago versteht man darunter Wahoo (Acanthocybium solandri) ein schöner schneller Raubfisch, der bis zu 2 Meter lang wird und schlank und glitzernd durch das Meer saust. In Mauretanien Cavalla (Caranx hippos), in Papua-Neuguinea Cobia (Rachycentron canadum), das Vereinigte Königreich sieht hier den Opah (Lampris guttatus), um Australien und Neuseeland ist es der Yellowtail Amberjack (Seriola lalandi), um Südafrika kennt man den Trevally (Caranx nobilis. Meistens sind es Stachelmakrelen, Makrelen und Thunfische.

Beim Fischhändler gab es einen frischen kingfish, nun es war ein hiromasa: king of the kingfish Seriola lalandi, premium Qualität Gesamtfisch ca. 3,1 kg, Filet 1,32kg, 2,91lb – also nichts anderes als eine Gelbschwanzmakrele, Bernsteinfisch, Yellowtail amberjack, Stachelmakrelen verwandt.
Ein Salzwasserfisch mit wichtigen Nährstoffen Vitamin A, B2, B6, B12, Jod, Mineralstoffen und Omega 3 Fettsäuren.
Eine Gelbschwanzmakrele wird bis zu 12 Jahre alt, wird bis zu 250cm lang, durchschnittliche Länge 80cm. Der Fisch ernährt sich selbst von Knochenfischen, Tintenfischen und Krebstieren.
Flossenformel: D V-VI/33-35, A II-III/20-21

Mein Lieblingsrezept für kingfish lehnt sich an die Zubereitung in der Karibik, Trinidad and Tobago an. Die Fische werden hier meistens quer in Stücke geschnitten. In meiner Küche wird der Fisch für Europäer leichter essbar zubereitet. Die Haut der Gelbschwanzmakrele abziehen, Gräten suchen und herausziehen und die Filets in grosszügige Stücke schneiden mit Zitronenpfeffer, wenig Berbere, etwas gepressten Knoblauch, Meersalz und Olivenöl einreiben.
Nebenbei koche ich aus der Haut, den Flossen und Fischresten einen Fischfond für andere Gelegenheiten.
Backofen auf 210 Grad C vorheizen.
In einer Bratröhre/Auflaufform die aufgeschnittenen Cherry-Tomaten, die Eschalotten und den restlichen Knoblauch in Scheiben mit Olivenöl im Backofen bei 200 Grad C 10 Minuten dünsten, die restlichen Gewürze, den Wein und Saft einer halben Zitrone unterrühren und die Fischstücke in den Sud einlegen.
Nun den Fisch 20 Minuten bei 180 Grad C dünsten, ab und zu mit dem Sud beträufeln.

Für 5-6 Personen

1,2 kg kingfish
5 Knoblauchzehen
1 Zitrone
6 Eschalotten oder Zwiebeln in Streifen
5 Prisen Zitronenpfeffer (Pfeffer mit Zitronenschale gemahlen)
1,5 EL Tomatenmark
400 g Cherry-Tomaten halbiert
5 EL Olivenöl
1 Glas Weisswein trocken/ 1 Schuss Rum nach Geschmack
2 Tassen Wasser
2 EL Petersilie
1 EL Mischung Oregano/Basilikum/Thymian
3 TL Berbere (afrikanische Gewürzmischung: Chili, Ingwer, Zimt, Knoblauch Gewürznelke, Koriandersaat, Piment, Ajowan)
1 kleine grüne Chilli fein geschnitten
1,5 EL Meersalzblume

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Dazu gibt es heute die kanarischen „papas arrugadas“, runde kleine Kartoffeln (z.B. Drillinge) waschen und ca. 20 Minuten im Meerwasser oder Wasser mit Zugabe von 120 g Meersalz auf 1 Liter kochen.

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Etwas Knoblauch-Aioli machen das Fischmahl Königsfisch für mich komplett.

Trinis würden Kochbananen, gekochte Maniok und selbst gemachte Peppersauce (Sosse aus frischen Scorpion-Chillis, Knoblauch und Gewürzen und etwas Essig gemixt evtl. geköchelt) dazu reichen -take you back in time-.

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© Kormoranflug 2017

Kräuterseitlinge – Frisée-Salat

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Ja manchmal verlangt es mich im Winter nach Gras, grünes frisches saftiges Gras. Mir gefällt deshalb der Frisée-Salat, verwandt mit dem Endiviensalat hat er eine leicht bittere Note, aufgrund seiner Struktur bleibt er lange saftig. Ein Kopf reicht für 2-3 Personen.
Dazu gibt es dünn aufgeschnittene braune Kräuter-Seitlinge (Zuchtpilze).

1 Frisée-Salat
1 EL Doldenblütenessig
2 EL Balsamico Bianco (Weissweinessig)
6 EL wirklich natives Olivenöl
3 TL Löwensenf
1 TL Estragon fein gehackt
1/2 TL Zucker
2 Prisen Salz
1 Prise schwarzer Pfeffer frisch gemahlen

3 Kräuter-Seitlinge
2 EL Butter
1,5 EL Sonnenblumenöl
2 Prisen Meersalzblume
1 Prise gemischter Pfeffer, gemahlen

Salat Blätter abschneiden, die dunklen äusseren Blätter sind bitterer als die gelben. So kann man bereits beim Salatputzen den Geschmack variieren.
Salat dreimal waschen und abtropfen bzw. trockenschleudern

Senf, Salz, Zucker, Kräuter, Pfeffer mit den zwei Essigsorten schaumig rühren und dann mit Olivenöl angiessen und weiter schlagen bis eine gebundene Vinaigrette entsteht.
Den Salat in überschaubare Längen 2cm schneiden und in der Vinaigrette wenden und ca. 10 Minuten ziehen lassen.

In dieser Zeit die Kräuter-Seitlinge säubern, in 3-4mm dicke Scheiben schneiden und mit Sonnenblumenöl von allen Seiten anbraten, 2 El Butter dazugeben, Pilze salzen und pfeffern und etwas nachziehen lassen.
Die Kräuter-Seitlinge lauwarm auf dem Salat servieren

© Kormoranflug 2017